Ich liebe meinen Körper

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Ich wurde von Gela Löhr von Lemondays eingeladen, einen Beitrag zu der Blogparade „Bye bye Traumfigur? Wie geht das mit dem Wohlfühlgewicht ab 40 oder 50?“ zu schreiben. Für mich definiert sich die Schönheit einer Frau ab 40 nicht über die Straffheit ihres Körpers oder das Gewicht, das er trägt. Es ist vielmehr eine Stärke, innere Verwurzelung und Ausstrahlung, die von innen kommt. Und sie kann immer nur von innen kommen. Die wahre Schönheit. Alles andere ist ein fahler Glanz von äußeren Formen, der keine Nachhaltigkeit und Substanz hat. Selbstliebe ist die Basis für die Schönheit einer Frau. Und dort wo Selbstliebe und Selbstwert tiefe Wurzeln im weiblichen Sein bilden und aus einer spirituellen Praxis heraus entstehen können, dort finden wir ganz leicht zu jenen Ernährungs- und Bewegungskonzepten, die uns von innen nähren. Und dabei unseren Körper ganz natürlich schön aussehen lassen.

Ich liebe meinen Körper. 

Das ist der Satz, für den ich jahrzehntelang gekämpft habe. Nämlich, das er sich in meinem weiblichen Bewusstsein verankert, und ich lerne, mein Leben täglich danach auszurichten. Denn in einer Welt, in der Frau nach scheinbar perfekten Massstäben, Größen und Formen aussehen muss, ist es nicht leicht, die nicht perfekte Natürlichkeit des eigenen Körpers zu lieben. Seine Zyklen und Rhythmen anzunehmen und vorallem dann Ja zu sich selbst zu sagen, wenn Frau nicht in ihrem ganz persönlichen Wohlfühlkörper durchs Leben tanzt. Ich frage mich: Wann haben wir aufgehört uns als Frauen für das zu lieben, was wir sind? Wann haben wir damit angefangen, unsere Selbstliebe über die Größe unserer Brüste, die Länge unserer Beine und die Straffheit unseres Körpers zu definieren? Wann wurden wir zu Körpern, statt zu beseelten Wesen mit Gefühlen? 

Mit den Jahren und der Reife meiner Weiblichkeit habe ich erkannt: Es ist heilsam den Körper anzunehmen, genau so, wie er gerade ist. Einzigartig und wunderschön. Auch mit ein paar Kilos zu viel, einem weichen Bauch, Cellulite auf den Oberschenkeln und allen anderen Mängeln, die wahrscheinlich nur Frau an sich selbst entdeckt. Es ist so heilsam und befreiend einfach Ja zu sich selbst zu sagen, und die weibliche Urkraft aus dem Innersten zu holen, anstatt sie auf das Äußere zu reduzieren. Denn dich schön zu fühlen, ist letztlich ein innerer Zustand des Wohlbefindens, des Verankert Seins in deinem Körper, des dich Spürens in der Kraft deiner Mitte. Liebst du dich auch morgens nach dem Aufwachen ohne Make Up? Brauchst du wirklich lange Fingernägel aus Plastik, um deine Wildheit zu spüren? Strahlen deine Augen auch ohne Lidschatten und Wimperntusche? Kannst du dich selbst lieben und annehmen so wie du bist. Ohne Vergleiche. Ohne Urteil. In deiner einzigartigen, weiblichen Schönheit und Ausdruckskraft? 

Dieses Jahr werde ich 41. Und ich fühle mich lebendiger und schöner denn je. Ich habe gelernt, viele Selbstliebe Rituale aus dem Yoga und Ayurveda in mein Leben einzubauen - zu spüren, wann es der richtige Zeitpunkt wofür ist. Ich habe aufgehört ungute, mich selbst nicht liebende, ver- und beurteilende Gedanken zu kultivieren. Denn sie sind eine endlose Spirale der Nicht-Selbstliebe, die mich immer tiefer hinunterziehen. Mich unglücklich machen und mich weit, weit weg von meiner weiblichen Urkraft treiben.

Die weltweite Beauty, Mode, Ernährungs- und Kosmetikindustrie lebt davon. Sie leben davon, dass Frauen vergessen haben, sich selbst und ihren weibliche Körper einfach zu lieben. So wie er nun mal ist. Einfach so. Ohne ihn anders, schöner, besser, perfekter, gestylter oder geschmückter machen zu wollen. 

Und ich habe aufgehört, die Industrie der perfekten Frau mit meinen Gedanken zu füttern.

Yoga hat mir den Weg in die Selbstliebe gezeigt. Mich gelehrt mich zu fühlen. Jeden Tag und in allen einzelnen Zyklen meiner Weiblichkeit. Das Leben mit den Rhythmen der Erde, hat mir meinen eigenen Rhythmus gezeigt. Und meine Intuition soweit gestärkt, dass ich genau spüre und weiß, welche Ernährungsform wann dran ist und welche Bewegungsform ich brauche, um in meinem Körper anzukommen.

Ich habe mit Yoga gelernt mich zu lieben. Im Körper und auch darüber hinaus. Denn meine Identität drückt sich zwar im weiblichen Körper aus, ist aber nicht daran gebunden. Denn ich bin mehr als der Körper. Und genau das liebe ich.

Sich selbst, dein selbst einfach lieben. Ganz einfach. Und für die meisten Frauen in der westlichen Welt doch so schwer. Es ist das Thema einer ewigen Suche nach innerem Frieden. Und doch erkennt keine, dass da, wo keine Selbstliebe ist, niemals innerer Frieden erwachen kann. 

Selbstliebe beginnt damit, wie du dir selbst und deinem Körper täglich begegnest. Egal, wie deine äußere Form derzeit aussieht. Wenn du zum Training gehst, solltest du es mit Liebe tun, und nicht deswegen, weil du deinem Körper den Kampf angesagt hast und ihn einfach anders haben möchtest, umformen möchtest, um ihn lieben und um endlich dich selbst lieben zu können. Wenn du dich gesund ernähren möchtest, dann deswegen weil du weißt, dass es dir gut tun und dich vitaler machen wird. Nicht, weil du glaubst, du musst abnehmen. Tägliche Bewegung und gesunde Ernährung sind ein Ausdruck dessen, dass du gut zu dir bist und deinen Körper als den Tempel deiner Seele betrachtest. Doch viel zu oft, machen Frauen Sport und Diäten nicht aus einem Bewusstsein der Selbstliebe heraus, sondern weil sie sich selbst eben nicht lieben. Vergleichen. Anders sein wollen. Ihre Attraktivität auf bestimmte Körperteile reduzieren und glauben, dass nur ihr Äußeres das Potenzial der Schönheit in sich trägt. So verkümmert die Seele langsam. Denn da, wo keine Selbstliebe ist, ist keine wahre Schönheit. Da, wo keine Seele ist, bleibt nur Hülle. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass nur die Selbstliebe Frauen in ihre wahre Schönheit bringen und ihnen eine tiefe Aussöhnung mit ihrer weiblichen Kraft schenken kann. 

Und diese Selbstliebe beginnt jetzt. Nicht erst, wenn du größere Brüste, straffere Beine oder dünnere Oberarme hast. JETZT. Und in der Annahme von dem, wer du jetzt bist. Aus diesem Zustand darf Transformation passieren. Denn ja, einen gesunden, starken und flexiblen Körper zu haben, ist fantastisch. Und ja, es ist wichtig, ihn täglich zu bewegen, um kraftvoll und gesund durchs Leben zu gehen. Doch das Wichtigste dabei ist, dass du es aus einer Haltung der Selbstliebe heraus machst. Nicht aus dem Moment des "dich nicht annehmen könnens." Nicht aus dem Druck heraus, dass du erst anders sein musst, um schön zu sein und dich selbst lieben zu können. 

Du bist wunderschön, so wie du jetzt bist. Kannst du diese Schönheit sehen, wenn du die Augen schließt, die Hände auf dein Herz legst und einmal tief ein und ausatmest? Kannst du dich nur selbst lieben, wenn dein Körper perfekt ist? Im Yoga sagen wir: Du bist nicht dein Körper. Du bist nicht dein Geist. Du bist mehr als das. Und dieses Mehr musst du erfahren, um zu lernen, was Selbstliebe ist. Öffne die Tore zu dem Mehr in dir und begib dich täglich auf diese wundervolle Entdeckungsreise von der einzigartigen Frau, die du bist.

Das Spiel mit der Selbstliebe durfte ich vorallem nach der Geburt meines Sohnes entdecken. After Pregnancy Body. Jede Frau, die Leben schenkt, hat ihn. Die Schwangershaft und die Geburt sind lebens- und körperverändernde Ereignisse. Danach, ist nichts mehr, wie davor. Und ja es gibt da draußen tausende After Pregnangy Workouts, die dich wieder in Topform bringen werden, und zwar so schnell, wie möglich. Zumindest versprechen sie das. Durch all diese Angebote des "schnell wieder in Form Kommens" wird uns suggeriert, das irgendetwas mit uns nicht stimmt, wenn unsere Muskeln und Gewebe weich und nicht so straff sind, wie in den tausend Bildern des perfekten Frauenkörpers, der täglich durch Magazine, Werbung und Filme saust und damit in unseren Köpfen fest verankert und in unserem Bewusstsein allgegenwärtig präsent sind. Wir identifizieren uns damit, bewusst oder unbewusst. Denn das, womit wir unseren Mind füttern, wird zu der Realität, in der wir leben. Und da die meisten Frauen nicht den von Medien und Stars produzierten perfekten Körper haben, befinden wir uns in einer ständigen und deprimierenden Unzufriedenheit mit uns selbst und dem Zustand unseres Körpers.

Die schönsten Frauen, die ich gesehen habe, waren jene, die ihre Schönheit erkannt haben. Die durch die tiefe Verbindung mit sich selbst, ihre Schönheit und ihre Kraft gefunden haben. Die sich selbst annehmen, genauso wie sie jetzt sind. Und dem Leben jeden Tag mit Selbstliebe begegnen. Es sind die Frauen, die keinen Idealen nacheifern, weil sie sich selbst das größte Ideal sind. Sie beginnen ihren Tag mit dem Satz: Ich liebe mich. Ich liebe mein Leben. Ich liebe es, ich zu sein. Sie beenden ihren Tag mit dem Satz: Ich danke dafür, ich zu sein. Denn ich bin ich. Und das ist wunderschön. 

Ich habe aufgehört, mich selbst ständig unter Druck zu setzen. Ich achte auf bewusste Ernährung und Bewegung, weil es mir gut tut. Ich nehme Kräuter - intuitiv und im Sinne meines Zyklus. Ich esse vielfältig, regional, das, was in meine Handschalen passt. Denn das ist es, was Ayurveda empfiehlt. Ich experimentiere jeden Tag mit Yoga und finde immer eine Praxis, die mich von innen heraus nährt. Ich habe Frieden mit meiner eigenen Konstitution geschlossen und will endlich nicht mehr größere Brüste und einen kleineren Popo haben. Denn mein Körper ist der, den ich für dieses Leben bekommen habe. Und ich beobachte täglich seine Bedürfnisse und greife dann in jene Wissensschatzkiste, aus der ich ihm täglich das gebe, was er braucht.

Ernährung + Bewegung + spirituelle Praxis + Meditation = tägliche Selbstlieberituale

Ich kann mit 41 endlich Ja zu mir sagen und mich dabei fantastisch fühlen.
Denn die schönste Schönheit, die ich in mir trage, ist und bleibt meine Selbstliebe.

Love Nives

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Nives Gobo