An Tagen wie diesen. Wenn die dunkle Göttin dich besucht

 

Für mich sind die Tage rund um die Neumondin manchmal sehr intensiv. Ich verfalle und falle oft in einen bodenlosen Abgrund. Vorallem dann, wenn tief liegende Schatten in mir hochkommen, weil sie nach Erlösung schreien. An Tagen wie diesen, verliere ich die Verbindung zu meiner Urkraft als Frau. An Tagen wie diesen möchte ich mich vom Leben zurückziehen, weil mich jede Entscheidung darüber, wohin der nächste Schritt gehen soll, überfordert und Angst macht. An Tagen wie diesen, wenn ich leer bin. Vom Alltag. Vom Geld verdienen. Vom Kochen. Von Beziehungen. Vom Sein. An Tagen wie diesen, quälen mich die perfekten Instagrambilder des perfekten Lebens der perfekten Anderen - obwohl ich weiß, dass kein Leben perfekt ist, denn das perfekte Leben, das uns Medien und Firmen dieser Welt verkaufen wollen, gibt es nicht. Bei niemandem. Denn Perfektion widerspricht dem ersten Prinzip des Lebens. Das es nämlich keine Perfektion im ewigen Kreislauf von Tag und Nacht gibt.  Jeder hat sie die hellen und die dunklen Tage der Seele. Tage der Freude und Tage der Verzweiflung. Und obwohl jeder es vor den anderen und meistens auch vor sich selbst verstecken will, stecken gerade in den dunkelsten Tagen unseres Lebens, die größten Chancen für Entwicklung. Für Ganz- Werdung. Für Heil - Werdung. An Tagen wie diesen weiß ich, dass es die Kraft der schwarzen Göttin ist, die mich befreien kann. Wenn ich es zulasse.  

Ich habe gelernt, dass es heilsam ist, diese Kraft einfach anzunehmen. Durchzugehen. Zu lernen und wissend darauf zu vertrauen, dass das Licht immer wieder kommt. Immer und immer wieder. Auch, wenn wir manchmal das Gefühl haben, dass wir planlos durch einen ewig langen Tunnel wandern. Im Jahreskreis begegnet uns die Kraft der dunklen Göttin November, wenn langsam aber sicher der Winter vor der Tür steht. Sie zeigt uns ihr Gesicht in den drei winterlichen Archetypinnen der Weiblichkeit: Die Magierin. Die alte Weise und die Sterbende. Sie ist der Moment, wo die Mondin ganz schwarz, weil überschattet vom Licht der Sonne ist. Sie ist der Moment des Innenhaltens, wenn das Leben uns in tiefere Ebenen von uns selbst führt. Sie taucht ab in die Kraft des Sterbens. Und sie erneuert. Lässt los. Streift ab, um wie ein Phönix aus der Asche zu steigen. Sie aktiviert die Kraft der Zauberin in sich. Sie weiß, dass das Leben Schwarz und Weiß und alle Töne dazwischen ist. Und sie kennt das Zaubermittel, um alles zu vereinen. In Gleichgewicht zu bringen. 

Schwarzmond. Ich will nichts. Denn alles seht still. Es ist Stillstand. Schwerelosigkeit in der Unendlichkeit. Kein Vor. Kein Zurück. Einfach sein. In der stille. Können wir uns als Frauen dieser Stille hingeben? Der Ungewissheit, dem einfach schwerelos sein? Ohne zu wollen. Ohne zu wünschen. Ohne zu wissen, wohin das Leben uns führen wird oder was uns erwartet. Einfach die Kontrolle aufgeben und im Moment aufgehen. Schwarzmond. Im Dunklen sein, wissend, das dein inneres Seelenlicht dich durch das Leben trägt. Schwarzmond. Nach Innen reisen. Vertrauen finden. Annehmen. Hingeben. Sein und den Moment umarmen. 

Jede Frau kennt diese Tage. Tage des Zweifelns. Der Traurigkeit. Der Unsicherheit. Nicht nur in Bezug auf ihren Körper sondern auch in Bezug auf ihr Leben. Und leider ist es so, dass in einer medialen Frauenwelt, die von Perfektion, Schönheit und Glanz lebt und uns ein Konzept von Leben verkauft, das es so nicht gibt, diese Tage keinen Platz haben. Denn in einer Welt von immer schneller, besser, schöner, erfolgreicher und glanzvoll glücklicher, gibt es keine schlechten Tage. Keinen Platz für Traurigkeit, Selbstzweifel der eigentlich zu Selbstreflexion führt, Innenschau - nämlich das Schauen der dunklen Innenwelt. Alles soll möglichst auf der Oberfläche bleiben, den Tiefgang ist zu schmerzhaft. Ja, es tut weh dem eigenen Schatten ins Gesicht zu sehen. Und ja, es ist so heilsam ihn einfach zu lieben und anzunehmen.  

An Tagen wie diesen, ist es wichtig, es einfach mal anzunehmen. Dieses Sein in der Seelennacht. Im Tiefgang. Im Schatten. Denn auch das gehört zum Leben dazu. Das nicht wissen, wie es weitergeht und wohin das Leben dich führen möchte. Nicht wissen, wohin du den nächsten Schritt setzen musst im Dunkel des Tunnels, sondern einfach lernen darfst, dass egal wohin es dich führt - das Leben immer Recht hat. Denn es ist Schatten und Licht.

 

Meine heilsamen Rituale für Tage wie diese - die ich nicht nur dir, sondern auch mir selbst schreibe

  • Übe dich darin, das Leben so anzunehmen, wie es kommt. Mit all seinen Höhen und Tiefen. In den Höhen zu genießen und achtsam durch die Tiefen zu tauchen.
  • Trinke einen Frauenmanteltee. Dieses Kraut gleicht nicht nur deine Menstruations- und Hormonungleichgewichte aus, sondern wirft seinen trostspendenden Mantel über dich.
  • Mit einer Freundin telefonieren, die dich so annimmt, wie du bist. Weil sie dich liebt und nicht (insgeheim) verurteilt, weil sie selbst mit ihrem Leben unzufrieden ist. 
  • Den Tag der dunklen Seelennacht so angenehm wie möglich gestalten - lass die Dinge, die zur Pflicht gehören und nähre dich mit einem gesunden Rezept, einem selbstgebackenen Kuchen oder einem Glas Granatapfelsaft. 
  • Berühre dich selbst - mit Ölen. Denn sie sind die beste Liebestherapie, die ich kenne.  
  • Werde kreativ. Schreibe. Male. Singe. Transformiere die Energie in etwas Schöpferisches. Das befreit dich.
  • Komme in den Fluss. Durch das Tanzen. Das Laufen oder in einen Yogaflow abtauchen. Den Körper zu bewegen bringt Bewegung in die Stagnation des Geistes. 
  • Identifiziere dich nicht mit deinen Gedanken - sie sind vergänglich, wandelbar, nicht wahr. Einmal so. Einmal so. Immer anders. In einem Moment bist du traurig und dann wieder glücklich. Lass es gehen. Hafte nicht an. Bleib im Fluss.
  • Rieche an der Rose. Ihre Kraft tröstet deine Seele. Und erhebt deine Gedanken in ein anderes Bewusstsein. Schenke dir selbst einen Blumenstrauss aus Rosen oder gib ein paar Tropfen ihres heilenden Duftes auf deine Schläfen. 

Ich wünsche dir für Tage wie diese viel Kraft und Mut der dunklen Göttin zu begegnen. Sie wird dich viel über das Prinzip des menschlichen Lebens lernen.