Book Talk. Das Karma, meine Familie und ich

 

Damals, als ich mein erstes Kind zur Welt brachte, und das Mutter Sein mein Leben vollkommen aus der Bahn warf, suchte ich vergebens nach Ratgebern, Wörtern, und Sätzen, die mir irgendwie erklären konnten, was denn mit mir als Frau und Mensch passiert war. Ich sehnte mich nach Büchern, die mir Kraft geben würden. Tröstende „ja, das kenne ich auch“ Momente in Augenblicken der Verzweiflung. Sätze, die mich in meinem Sein als Mutter berührten und nicht versuchten mir zu erklären, wie ich mit meinem Sohn umzugehen habe, und welche Erziehungsmethode mein Kind zu einem besseren Menschen und mich zur perfekten Mutter machen würde. Denn instinktiv weiß jede Mutter selbst ganz genau, was für sie und ihr Kind das beste ist. Zumindest meistens.

 Einzigartig. Gold wert. Für Mamas und alle Frauen. 

Einzigartig. Gold wert. Für Mamas und alle Frauen. 

Nun nach drei Jahren seit der Geburt meines Sohnes und vielen Aufs und Abs im täglichen Mama Dasein habe ich meine Mamafibel endlich gefunden. Ein Buch das Gold wert ist. Für alle Mamas und überhaupt alle Frauen, die in der Tiefe und aus der Sicht der yogischen Philosophie verstehen wollen, was der Alltag mit Kindern so alles bereit hält. Von tiefer Liebe bis wütenden und verzweifelten Tränen. Alles drin. So wie im Leben. Die Journalistin, Yogalehrerin und zweifach Mama Stephanie Schönberger schreibt in ihrem neuen Buch Meine Familie, das Karma und ich mit vollem Herzen und berührenden Worten aus dem Leben einer Yogamama. In jeder Seite dieses ehrlichen und hoch inspirierenden Buches fühlt Mama sich verstanden, aufgefangen, findet unaufdringliche Lösungsvorschläge für alltägliche Fragen rund um die Erziehung. Dieses Buch eröffnet das Leben mit Kindern aus einer tiefen philosophischen und doch so alltagstauglichen Sicht. Es ist für mich zu einer täglichen Schatzgrube geworden, in die ich immer wieder mal reinschaue, um Kraft, Inspiration, Verständnis und ein großes Lachen zu finden.

Ich habe Stephanie in diesem Interview intuitive Fragen zu ihrem wunderbaren Buch gestellt. Hier kannst du lesen, was sie dazu geantwortet hat.  

 

Aus welchem Ruf heraus, hast du dein Buch geschrieben?

Tatsächlich hat mich eine Agentin angerufen, die ich von gemeinsamen Yoga-Retreat-Wochenenden kenne. Sie fragte, ob ich Lust hätte ein Buch darüber zu schreiben, wie man mit buddhistischer Gelassenheit die anstrengende Elternzeit überlebt. Ich sagte ihr, dass ich das gerne machen würde, aber leider keine Buddhistin bin. Ich könnte ihr aber die klassische Yoga-Philosophie als Alternative anbieten, schließlich ähneln sich die Ideen und Gedankenansätze ja teilweise durchaus. Sie war einverstanden, ich schrieb ein Exposé, das mit ein paar Alltagssituationen aus meinem Familienleben garniert war, anhand derer ich die Begriffe und Sutren des Yoga Sutras erklärt habe. Ursprünglich wollte ich gar nicht so viel von meiner Familie erzählen, weil ich uns für völlig unspektakulär und alltäglich halte. Aber der Verlag meinte, genau dieses Unspektakuläre würde es für viele Mütter und Väter nachvollziehbarer machen.

 

Wie lebst du die yogischen Prinzipien in deinem Alltag als Mama?

Ich versuche Gewalt im Denken, Sprechen und Handeln zu vermeiden. Das Wort Gewalt hört sich vermutlich jetzt erstmal brutal an und wahrscheinlich würde jede halbwegs normale Mutter sagen, dass sie ihr Kind sowieso gewaltfrei erzieht. Aber Gewalt beginnt ja nicht erst bei der körperlichen Misshandlung, sondern schon bei den Gedanken, die man hat. Und aggressive, wütende Gedanken muss ich ja nicht mal meinem Kind oder Partner gegenüber haben, es reicht schon, wenn ich sie für Kollegen, Vorgesetzte, oder mich selbst hege. Denn sie werden die Art und Weise, wie ich meine Welt wahrnehme und in ihr spreche und handle, beeinflussen. Was dazu führen kann, dass ich aus der Wut heraus, die ich eigentlich für eine andere Person habe, meine Kinder unfreundlicher behandle, gereizter auf sie reagiere, lauter werde, als ich das vielleicht wollte. Gewaltfrei gegenüber meinen Kindern zu sein, bedeutet für mich auch, dass ich ihnen bei Streitigkeiten oder Meinungsverschiedenheiten ihre Würde nicht nehme, sie nicht klein mache oder verbal tief verletze. Im Yoga Sutra steht, dass wir uns immer in die andere Person hineinversetzen sollen, wenn wir uns unsicher sind, was unser Verhalten, unsere Worte bewirken könnten. Das versuche ich immer zu beherzigen. Außerdem bemühe ich mich, ihnen ihre Kindheit nicht zu stehlen, indem ich sie in alle möglichen Frühförderprogramme stecke. Sie sollen spielen dürfen, sind viel im Freien, wo sie alles mögliche entdecken, basteln und beobachten. Sie dürfen sich auch langweilen, weil das letztlich wieder ihre Kreativität anregt. Sie sagen bisher glücklicherweise von selbst, was sie gerne zusätzlich machen möchten. Meine Tochter voltigiert, mein Sohn entdeckt gerade Musikinstrumente und das Musikmachen für sich. Auch bemühe ich mich, mein Dharma als Mutter zu erfüllen. Meine Lehrerin Helga Simon-Wagenbach sagte mir einmal: „Dein Dharma als Mutter ist, dafür zu sorgen, deinen Kindern den Rahmen zu geben, damit sie ihr Potential entfalten und in die Welt bringen können.“ Und ganz wichtig ist für mich, Herzensgüte, Mitgefühl, Mitfreude und auch Gleichmut zu kultivieren und zu leben.

 

Dein Dharma als Mutter ist, dafür zu sorgen, deinen Kindern den Rahmen zu geben, damit sie ihr Potential entfalten und in die Welt bringen können.

 

 

Was beinhaltet das Mutter Werden für dich? Ist es eine Art Einweihung, Initiation, yogische Meisterprüfung?

Für mich war und ist es eine Meisterprüfung, weil es mich zwang und zwingt, weg vom Ego zu kommen. Nicht mehr ich, sondern meine Kinder waren und sind jetzt plötzlich der Nabel, um den sich meine Welt dreht. Wobei mit jedem Jahr, das sie älter werden, sich die Freiräume auch wieder vergrößern. Aber die irgendwie doch sorglosen Zeiten, in denen man sich treiben lassen und machen konnte, was man letztlich gerade wollte, waren ab dem Moment des positiven Schwangerschaftstests vorbei. Jetzt musste ich plötzlich Verantwortung übernehmen für zwei Leben und stellte fest, dass meine lange gelebte „Eigentlich wollten wir nie erwachsen werden“-Attitüde nun plötzlich irgendwie kindisch war. Das Mutter Werden stellte mein bisheriges Leben schon radikal auf den Kopf und Yoga mit all seinen Aspekten, hat mir letztlich dabei geholfen, dabei nicht unterzugehen, nicht dauerhaft zu verzweifeln, dafür meinen eigenen Weg und meine eigene Rollendefinition als Mutter zu finden und auch zu leben, also mein ganzes neues Leben halbwegs anständig und gut zu meistern. Und die Meisterprüfung hält, wie eingangs gesagt, an. Die Erfahrung der Geburt selbst war dagegen tatsächlich so etwas wie eine Einweihung oder Initiation, zumindest die meines Sohnes. Mein erstes Kind, meine Tochter, kam leider per Kaiserschnitt zur Welt, weil sie falsch lag. Ich hatte mir das alles recht einfach vorgestellt. Und es wurde dann doch eine eher ungute Erfahrung. Eilig, statt heilig. Sie kam mir sprichwörtlich aus meinem Bauch gerissen vor. Ich fand es auch ganz schwierig, dass ich nicht sagen konnte, ich habe sie zur Welt gebracht. Daran habe ich lange geknabbert. Bei meinem Sohn hatte ich eine normale Geburt. Danach wusste ich nicht nur, dass es die wirklich natürlichste Sache der Welt ist, sondern auch, wie es sich anfühlt, wenn die Kraft des Lebens zu wirken beginnt. Wenn ein Prozess in Gang kommt, den ich nicht beeinflussen kann. Wie es sich anfühlt, im Prinzip erstmal nur „Erfüllungsgehilfin“ zu sein, das Gefäß, aus dem das neue Leben in die Welt kommt. Ich habe mir damals gedacht, so muss es auch beim Sterben sein, wenn sich diese Lebenskraft aus dem Körper zurückzieht. Es ist ein Vorgang, den ich nicht aufhalten kann und weil das so ist, ich mich auch nicht wehren muss, weil es sowieso geschieht, ob ich will oder nicht. Das ist für mich Vairagya, das Loslassen, gepaart mit Shraddha, dem Vertrauen und Ishvara Pranidhana, der Hingabe an ein höchstes, wohlmeinendes Prinzip. Die Geburt war ein absolut beeindruckendes Erlebnis. Danach war ich im Hormon-High.

 

Die Erfahrung der Geburt selbst war dagegen tatsächlich so etwas wie eine Einweihung oder Initiation. 

 

 

Wie hat dich das Mama werden als Frau und Mensch verändert/ bereichert?

Ich bin viel emotionaler als ich es früher war. Damit meine ich nicht das gelegentliche gereizt und genervt sein. Sondern die Liebe, die ich für meine Kinder spüre, die ist sprichwörtlich umwerfend. Ich bin auch viel näher am Wasser gebaut, mag keine Filme mehr anschauen, in denen Kinder leiden müssen oder ums Leben kommen. Ich lebe bewusster, mitfühlender, hinterfrage mein eigenes Handeln viel mehr. Und ich weiß, dass ich unglaublich viel stemmen und die Ruhe bewahren kann, wenn es brennt. Seit ich weiß, wie sich Wehen anfühlen, bin ich, das finde ich spannend, viel weniger schmerzempfindlich oder wehleidig, als ich es früher war. Und ich mache mir über das Frauen-Bild, das in der Öffentlichkeit gerne immer noch gezeichnet wird, also jung,schlank, verführerisch, und das von der Gesellschaft oft erwartet wird, also angepasst, wenig eigenständig, Beruf-, Kinder- und Partner- unter einen Hut bringen müssend, viel mehr Gedanken als früher. Ich hoffe, dass ich meinen beiden Kindern ein anderes Bild vermitteln kann. Dass Frauen und Männer gleichberechtigt sind, gleich stark, gleich wertvoll und wichtig. Auch bei der Erziehung und den Aufgaben, die es im Haushalt und in der Familie zu erledigen gibt. Dass es egal ist, wie man aussieht oder was man wiegt, solange man sich selbst damit wohlfühlt. Und dass dieses Wohlgefühl nie von außen definiert sein sollte, sondern vom Herzen kommt. Ich hoffe, dass meine Tochter einmal weniger kämpfen muss, weil sie ein Mädchen oder eine Frau ist und selbstsicher und selbstbewusst durchs Leben geht und dass mein Sohn Frauen anständig und gleichberechtigt behandelt. Die größte Bereicherung, das größte Geschenk, sind aber natürlich meine beiden Kinder selbst. Es ist so ein Glück, diese beiden wunderbaren Wesen in meinem Leben zu haben. Wenn ich sie am Ende eines anstrengenden Tags friedlich in ihren Betten schlafen sehe oder auch wenn ich sie beobachte, wie sie ihr Leben leben und wie gut und liebevoll sie (meistens) miteinander umgehen, dann geht mein Herz auf und alles, wirklich alles, ist wieder friedlich in mir.

 

Was ist dein hilfreichster yogischer Tipp in Momenten, wenn Mamas sich überfordert fühlen?

Ausatmen. Einatmen. Sich klar machen, das nichts von Dauer ist, also auch diese stressige Situation nicht. Und dass wir uns alle immer nur gut fühlen wollen, aber leider oft zum falschen Mittel oder den unpassenden Methoden greifen, was das Ganze noch anstrengender macht. Manchmal hilft es auch, sich aus der Situation herauszunehmen, zum Beispiel den Raum für ein paar Minuten zu verlassen. Um buchstäblich wieder Luft zu bekommen. Oder an etwas Schönes, Angenehmes denken. Das hilft auch meist recht schnell, sich wieder ein bisschen zu beruhigen. Wenn wir erst ruhiger sind, können wir auch wieder klarer sehen und bewusster handeln.

 

Ausatmen. Einatmen. Sich klar machen, das nichts von Dauer ist, also auch diese stressige Situation nicht.

 

 

Was darfst du täglich von deinen Kindern lernen?

Was blindes Vertrauen und bedingungslose Liebe sind. Denn die haben unsere Kinder zunächst - und hoffentlich auch ihr Leben lang - in uns. Welche Verantwortung uns damit in die Hände gelegt wurde, sprichwörtlich mit dem Tag der Geburt, wenn wir unser Kind das erste mal in den Armen halten. Diese Liebe und dieses Vertrauen sollten wir nicht verletzen. Ich darf auch lernen, wie neugierig sie noch aufs Leben sind und wieviel Spaß es macht, die Welt zu entdecken, wie leicht es sich lebt, wenn man noch frei von Vorurteilen oder hartnäckigen Prägungen ist. Wie schön es ist und auch natürlich, wenn man sich noch für fantastisch, großartig, einzigartig hält, an Feen glaubt, Einhörner im Nebel sieht, auf Bäume klettert, als Batman verkleidet auch außerhalb der Faschingszeit durchs Dorf läuft, stundenlang schaukelt und spielerisch die Welt der Zahlen und Buchstaben für sich entdeckt. Wenn man darauf einsteigt, sich einlässt auf diesen Kosmos aus Elfen, Fabelwesen und Comichelden, dann wird die eigene Welt auch wieder magisch.

Herzliches Dankeschön für das Interview Stephanie.

Hier findest du Stephanies Buch. 

 

 Stephanie Schönberger ist Inhaberin und Leiterin von  8sam Yoga  und Autorin der Bücher  Meine Familie, das Karma und ich  und  Die sanfte Kraft des Yoga: Heilsames Üben für Körper, Geist und Seele . Sie lebt, schreibt, unterrichtet Yoga und ist Mama von zwei in Irsee in der Nähe von München. Du kannst sie auch auf  Instagram  und  Facebook  näher kennenlernen. 

Stephanie Schönberger ist Inhaberin und Leiterin von 8sam Yoga und Autorin der Bücher Meine Familie, das Karma und ich und Die sanfte Kraft des Yoga: Heilsames Üben für Körper, Geist und Seele. Sie lebt, schreibt, unterrichtet Yoga und ist Mama von zwei in Irsee in der Nähe von München. Du kannst sie auch auf Instagram und Facebook näher kennenlernen.